Geschichte der Familie Klemme - Teil 1


Anmerkung: Ich bekam vor vielen Jahren eine handgeschriebene Zusammenstellung der Familiengeschichte der Familie Klemme. Meine Ur-Urgroßmutter war eine geborene Klemme aus Hettensen. Der Verfasser dieser Schriften war Georg Witte ein sehr interessierter Ahnenforscher, der bei allen Familienfesten stehts mit Papier und Bleistift bewaffnet, die Verwandtschaft nach den neuesten Familiengeschichten ausfragte. Nicht unbedingt bei jedem Familienmitglied beliebt, da er nicht vor kritischen Bemerkungen zurückschreckte. Dies ist ein Versuch die alten Dokumente von Georg Witte zu entziffern. Am Ende habe ich eine Ergänzung betreffend der neuesten Forschungsergebnisse angefügt.

Und wer sich für die Ahnenliste von Georg Witte interessiert, der klickt bitte hier.

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Aufgezeichnet von Georg Witte in Hamburg, Hameln am 11.10.1943

Der Verfasser dieser Aufzeichungen, Georg Witte, der in Hamburg am 30.07.1943 total vernichtet wurde durch Bombenfall der nordamerikanischen Flieger, hatte seit etwa 1825 Familienforschung betrieben, auch zum Teil für die Klemme, weil seine Frau und damit auch sein Sohn Klemme Abkömmlinge durch seine Schwiegermutter, die eine geborene Klemme war, waren. Seine Schwiegermutter, die überall unter den Klemmschen Einzelfamilien als Tante "Riekchen" (Friederike) bekannt war, hat ihm stets fleißig geholfen und aus ihrem guten Gedächtnis viele wichtige Sachen erzählt, nicht nur von den Klemme, sondern auch von den Berlinschen Vorfahren, die Herkunft von den Quentin usw.

Georg Witte 1936 Georg Witte ca 1936
(Foto zur Verfügung gestellt von
Heidi Andree aus Grand Rapids)

Auch der nächste Bruder Wilhelm Klemme, der in Hameln wohnte, hat einen wichtigen Teil zu den Aufzeichungen des Georg Witte beigetragen. Dieser hat die Aufzeichnungen und Forschungen sehr ernsthaft und möglichst vollständig betrieben, wozu er sich gehörigen Sachverstand in den entsprechenden Vereinigungen und den von ihm bezogenen wichtigen Zeitschriften und in seiner von ihm selbst und allein angeschafften Bibliothek (ca. 250 Bände ausg. Jahrgänge guter Fachliteratur) erworben hatte. Auch vor allem durch die Zuhörerschaft mit seiner Frau von ca. 150 Vorträgen in seinem Verein, der Zentralstelle für Niedersächsische Familienkunde in Hamburg. Außer diesem gehörte er auch der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte in Leipzig an, war Leser des Archivs für Sippenkunde Görlitz und vielen anderen.

Er hatte auch im Jahre 1930 den Klemmeschen Familienverband gegründet, den er 1935-36 im VDFF (Verzeichnis deutscher Familienforscher und Verbände, Verlag C.A. Starke in Görlitz) hatte eintragen lassen, 3. Auflage. Weiter erfolgte seine diesbezügliche Tätigkeit nicht nur in der Sammlung von Einzelheiten von Erzählungen, sondern er besuchte auch 1929 die Heimatdörfer und sprach mit einer Reihe Persönlichkeiten, sondern erbat von den Verwandten vorhandene Fotos, so daß er von fast allen verwandten Personen ein oder mehrere Fotos besaß, die er auf Blättern und in Alben einordnete nach den einzelnen Linien. Außerdem befaßte er sich mit lebhafter Schreiberei Memoiren(?)....

Alle diese seine umfassende Arbeit ist am 30.07.1943 bei der Niederbrennung seines Wohnhauses in Hamburg 23, Eilbeckerweg 18, vernichtet worden, nichts ist übrig geblieben! Selbstverständlich hatte dieser totale Forscher nicht allein die Familie seiner Schwiegermutter und seines Schwiegervaters (Besemann) erforscht, sondern auch die seiner eigenen Eltern (Witte und Preuße). Von diesen beiden Geschlechtern hatte er nicht nur seine eigenen Zweige, sondern auch die allgemeine Herkunft und Zusammengehörigkeit zu erforschen sich als Lebensaufgabe gesetzt und dabei sehr gute Erfolge erreicht. Auch gelang es ihm bei den Besemanns sehr später fast vollständige Erfolge zu erzielen. Die Klemmschen Forschungen, die noch einige Zeit und infolge der Interessenlosigkeit der Geschlechtermitglieder zurückgesetzt waren, sind infolgedessen noch nicht weit vorgeschritten gewesen, es war jedoch eine sehr umfangreiche Grundlage vorhanden, auf welcher gut und leicht weiter- und aufgebaut werden konnte.

Vor allen waren die beiden noch lebenden Personen der älteren Generation, Tante Riekchen und Onkel Wilhelm, welchen älteren Personen bekanntlich die reinen und besten Familienlyriker sind, vollständig in Erinnerungen der vor ihnen liegenden Zeit ausgeforscht worden. Alles dieses für oben aufgeführte ist durch den angloamerikanischen Fliegerterror vernichtet! Allein aus dem Gedächtnis heraus, das auch nun schon erheblich nachläßt, und dem von den beiden Blutsbasen, Frau Martha Witte und Frau Anne Körner, nachgeholfen wird, ist es möglich, einiges wiederum neu aufzustellen. Hierzu gab Frau Anne Körner, geb. Klemme, und ihr Gemahl, Herr Tischlermeister Karl Körner, in Hameln in ihrer Wohnung Wendenstr. 5 II dem Familienforscher Georg Witte aus dem zerstörten Hamburg Anregungen und Gelegenheit dieses zu tun anläßlich des freundschaftlichen verwandtschaftlichen Einladens des total geschädigten Ehepaares Georg Witte aus Hamburg nach Hameln vom 05.-20. Oktober 1943. Am 11. Oktober erfolgte nun hier die vorliegende Aufzeichung neu aus der Erinnerung.

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Die Klemme:

Wie und wo der Name Klemme entstanden ist, ist uns vollständig unbekannt und auch unerklärbar. Die Meinungen waren stets verschieden. So haben einige Wappenträger mit ihren Wappen ..??.. Wappen geführt und darin Zimmermannsklemmen geführt. Auch das Wappen, das unser Zweig führen will, zeigt Zimmermannsklemmen, schon um eine Zugehörigkeit zu allen Klemmezweigen treten zu lassen. Das Wappen unseres Zweiges zeigt im Schild in Silber drei großgestellte schwarze Zimmermannsklemmen. Unsere Farben sind also weiß (oder silber) und schwarz.

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Wenn der Schild nicht allein geführt werden soll, dann zeigt die Helmzier einen ..??.. Mann, der in der rechten zwei und in der linken Hand eine Klemme hält, dessen einfache Kleidung schwarz ist, mit Silber garniert. Die Helmstecken sind außen schwarz und innen silber. Dieses Wappen unseres Zweiges ist aufgerissen vom Verfasser dieser Zeilen. Georg Witte in Hamburg, der keine Gelegenheit hatte, mit Klemmschen Wappenträgern zusammen all diese Sachen in Übereinstimmung zu arbeiten, der aber, als Wappenmaler und ..??.. beruflich tätig, die entsprechenden Sachkenntnisse hatte. Irgendwo eingetragen ist dieses Wappen nirgends, weil er dies nicht ohne Zustimmung durchführen wollte. Was nun die wirkliche Herkunft des Familiennamens Klemme, der ja sehr verschiedene Schreibweisen aufweist, wie Klemme, Klemmen, Klemmens über Klemm, Clemm, Klem usw. anbetrifft, so vermutet der Schreiber dieser Niederschrift, daß der Name in Wirklichkeit von einem Heiligen, dem Heiligen Clemens hergeleitet und durch die vielen Jahrhunderte und Zweige geändert wurde. Unsere Vettern Klemm, die seit Jahrzehnten die Klemmsche Familienzeitung herausgeben und einen umfangreichen Aufsatz über die Geschichte der Familie im Deutschen Geschlechterbuch Band 4 veröffentlicht haben. Die Seele dieser Familiengeschäftlichen Taten war der Industrielle und Erfinder ..??.. Klemm in Berlin, der Flugzeugfabrikant. Auch er ist der selbstverständlichen Meinung, daß alle die, die den Namen Klemme, Klemm, Clem usw. führen, ein und derselben Abstammung sind. Das Geschlecht taucht geschäftlich oft in Süddeutschland auf, und zwar im 13. Jahrhundert, hat also damals sich mit diesem Namen bezeichnet.

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Aus ihrer ..??.. Heimat hat sich dann das Geschlecht in seiner Nachbarschaft verbreitet und anläßlich der weiteren Verbreitung in alle Windrichtungen im Laufe der Jahrhunderte zeigten sich die Namensträger allmählich in vielen Gegenden Deutschlands und vor allem in Mittel- und Ostdeutschland. Die Erblinie des Rittergeschlechts scheint im ..??.. Jahrhundert ausgestorben zu sein, aber die nachgeborenen Söhne haben durch ihre stetige Auswanderung das Geschlecht weit und stark verbreitet, ein Umstand der in sehr vielen Familien gleichartig war und sie vor dem Erlöschen bewahrte. Im Gegenteil, es ist bekannt, daß die Ausgewanderten mit ihrer frischen und starken Lebenskraft stets das Blühen und Gedeihen eines Geschlechts weitergebracht und erhalten haben, worüber es unzählige Beispiele vieler Geschlechter gibt. Diese nachgeborenen Söhne behielten aber ihren Adelstitel nicht bei, weil dieser nur dem Erben (des Stammhofes) zukam, der Erfolg der Erbschaft allerlei Ämter und Würden miterbte. Die nachgeborenen Söhne erbten selten Ämter, Würden und Besitz. Jedoch hatten sie den allen anerzogenen Bildungsgrad, der ihnen einen Vorteil vor allen anderen Volksgenossen gab, und der sie befähigte, eine Art Gehilfen bei der Verwaltung der Volksstämme sein zu können. Sie wurden Bürgermeister und Ratsherren in fremden Städten, Räte an Fürstenhöfen und Bischofsstühlen usw..

Hier auf solchen Posten und Ämtern verbürgerten sie allmählich. Ein Bürger einer fremden Stadt wurde stets ein Bürger und vergaß allmälich mit der Zeit seinen herkömmlichen Adelsstand. Namentlich aber wenn der Betreffende in einer fremden Stadt Kaufmann wurde, welchen Stand nur der Adelige ausfüllen und verstehen konnte wegen seines einzigen Bildungsgrades, seiner mehrfachen und höheren Beziehungen, wegen seines besseren Aussehens und seines stärkenen Auftretens, so zu seiner Macht, auch stand ihnen allen wohl ein höherer Schutz zu, von dem wir heutigen nichts mehr Wissen, der nur noch in der Geschichte spürbar ist. So sind die Geschlechtsangehörigen durch die Zeit und die stets schlechter werdenden Verhältnisse immer mehr verbürgert und auch allmählich sozial mehr und mehr heruntergekommen. So sind gerade unsere Geschlechtsangehörigen seit etwa 100 Jahren zu Proletarieren geworden. Durch die umfangreichen Forschungen des Herren ..??.. Klemme in Berlin ist urkundlich erwiesen, daß der Gang des Geschlechtes Klemme auch so gewesen ist, wie vorher geschildert für die Allgemeinheit der nachgeborenen Söhne. Auch die Klemme sind Ratsherren, Bürgermeister in anderen Städten besonders Süddeutschlands gewesen. Die Ausgewanderten gründeten unbewußt durch spätere zu ..??.. Nachkommenschaft richtige Klemme ..??.. in fremden Städten und Orten so z. B. auch in Braunschweig und in vielen anderen Orten. Leider können wir unser Wissen noch keine drei Jahrhunderte zurückleiten, so daß wir nicht wissen, wo in welcher Stadt oder Gegend unsere damaligen Vorväter Klemme mit ihren Frauen und Familien gelebt haben.

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