Geschichte der Familie Klemme - Teil 2


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Wir sind heute froh, daß wir wissen aus den früher erwähnten Erzählungen, daß unser bis heute bekannter Vorfahr ..??.. Klemme Schneidermeister in Oberscheden bei Hannoverschmuenden war. Er war etwa um 1780 geboren und um 1850 in Thüdinghausen bei Northeim gestorben. Er hatte mit seiner Ehefrau, die wir auch noch nicht genauer kennen, mehrere Söhne und Töchter, von denen der Schreiber dieser Aufzeichungen mehrere Notizen von seiner Schwiegermutter hatte, die aber wie vorne erwähnt vernichtet wurden. Einer der Söhne war dieser gewesen. Ein anderer aber, der um 1817 geborene Georg Friedrich August Klemme, wurde unser Vorvater. Er hatte scheinbar keinerlei Handwerk erlernt und war wahrscheinlich als junger Bengel hilfsweise in der Landwirtschaft tätig. Er diente dann seinem Vaterlande (dem Königreich Hannover) als Soldat, das war 1840. Er diente seine Zeit bei den Husaren in ..??.. Als seine Militärzeit beendet war, kam er als Knecht auf den großen Hof des Hofbesitzers Christian Berlin in Thüdinghausen bei Northeim. Hier waren auch verschiedene Söhne und Töchter vorhanden, die mit dem jungen Knecht etwa gleichaltrig waren. Ein wohl freundschaftlicher und arbeitskameradschaftlicher Verkehr unter diesen jungen Leuten ist wohl eine Selbstverständlichkeit. Aber es entwickelte sich allmählich zwischen der ältesten Tochter Friederike des Hofbesitzers Berlin und dem jungen, lebendigen, lustigen Knecht Georg Klemme ein mehr oder weniger ernsthaftes Liebesverhältnis, daß im Jahre ..??..

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..??.. damals üblichen gesellschaftlichen Gründen stärkste Gegner einer Ehe zwischen diesem ungleichen Liebespaar und eine Ehe wurde nicht geschlossen. Ob nun die Tochter nicht von dem lebenslustigen Knecht lassen wollte oder konnte, oder ob der allzu starke Wirksamkeiten und einen festen Willen an seinem erstrebenswerten Ziele spielen ließ, nach etwa 2 Jahren gab die Tochter wiederum einem Töchterchen das Leben. Jetzt aber willigten die Eltern Berlin in die unausbleibliche Ehe ihrer ältesten Tochter mit Georg Klemme ein. Als nunmehriger Schwiegersohn bemühte sich der Schwiegervater für ihn einen Bauernhof zu kaufen und fand diesen in Hettensen. Etwa 10 km südlich des Stammortes der Berlins. In dieser Ehe Klemme-Berlin in Hettensen wurden noch 4 Söhne und 1 Tochter geboren. Unsere Linie der Klemme stammen also aus Hettensen, während die Berlins aus Thüdinghausen stammen. Die Nachfahrentafel dieses Ehepaares zeichne ich auf der Rückseite dieses Blattes auf, soweit ich dies aus dem Gedächtnis möglich machen kann. Weiter unten in diesen Aufzeichnungen zeichne ich die Nachkommenschaft der einzelnen Kinder und deren Kinder auf. Die Anzahl der Nachkommen und Kinder mit deren Angeheirateten beträgt um 1930 etwa 100 Personen.

Ehe ich nun auf die zahlreichen Nachkommen näher eingehe, will ich noch einiges über die Vorfahren sagen. Wie ich schon erwähnte, wissen wir von den väterlichen Vorfahren (den Klemme) noch sehr wenig, dies Feld muß noch der Zukunft vorbehalten bleiben. Eine Kleinigkeit wissen wir von den vormütterlichen Vorfahren, den Berlins usw., dies will ich den zukünftigen Lesern dieser Aufzeichnungen nicht vorenthalten, damit sie hiermit eine Grundlage haben um eventuell weiter forschen zu können. Christian Berlin, Hofbesitzer zu Thüdinghausen, war geboren am 23.03.1797, also am selben Tag als der frühere Kaiser Wilhelm I., was diesem Veranlassung gab, unserem Vorfahren einen silbernen Pokal mit Inschrift zu verehren. Dieser Becher ging durch Erbschaft über eine Tochter in die Familie Kassebeer in Northeim über. Dieser Christian Berlin heiratete die wohl einzige Tochter des Großbesitzers Quentin in Thüdinghausen, wodurch der Quentinsche Hof an die Berlins kam, die selbst schon einen nebenan liegenden Hof besaßen, den ein Bruder (7) ..??.. im Besitz der Berlins gewesen, während die Linie der Quentin ausstarb. Über das Göttinger Patriziergeschlecht Quentin ist zu lesen im Deutschen Geschlechterbuch Band 22, verfaßt vom Generalleutnant Quentin, der Quentinsche, später Berlinsche Hof in Thüdinghausen war aus dem früheren Besitz der Freiherren von Münchhausen, wie mir Herr Wilhelm Berlin 1929 anläßlich meines Besuches dort sagte.

Der Vater unseres Christian Berlin, Heinrich Christian Berlin, der wohl um 1750 geboren war, war verheiratet um 1780 mit Sophie Klinge aus Asche, die so reich war, daß ihre Mitgift von Bargeld mit einer Schligge (Mistschlitten) von Asche her auf den Berlinschen Hof in Thüdinghausen gefahren wurde. Alle Welt hat über den Reichtum dieser Vormutter gestaunt, und des Staunens und auch der Besonderheit war 1929 (also nach etwas 150 Jahren) noch nicht zu Ende. Staunen muß man aber heute darüber, daß sich dieser fürchterliche Reichtum in Thüdinghausen nicht vermehrt hat, das Sprichwort heißt ja: Wo dicker Mist ist, kommt immer mehr dazu! Selbst wenn das Geld in viele Erbteile gegangen ist und die Ausbildung der Söhne und Enkel viel Geld gekostet hat, auch der Klemmsche Hofkauf in Hettensen soviel verschlungen haben sollte, daß heute noch die Berlinschen Nachkommen in Thüdinghausen darüber schimpfen, so kann niemals soviel Geld, wie die Ahne mitgebracht hat, so schnell verschwinden, wenn auch schlechte Ernten und schlechte Zeiten für die Landwirte viel Geld aufgezehrt haben konnte. Wenn auch nicht die Berlinschen Höfe in Thüdinghausen notleidend sind, sondern immerhin noch reich zu nennen, ist der große Reichtum von früher nicht mehr vorhanden. So hat auch unser Vorfahr auf seinem Besitz in Thüdinghausen die jetzige (neue) Kirche bauen lassen, womit er wohl ein gottwohlgefälliges Werk hat schaffen wollen. Thüdinghausen hatte früher keine Kirche, sondern war im Nachbardorf Lutterhausen eingepfarrt, wo auch die Kirchenbücher mit diesen diesbezüglichen Eintragungen über die Familienverhältnisse unserer Vorfahren vorhanden sind. Um 1880 und wohl auch noch später war der Zusammenhang der verschiedensten Verwandten aus den vorerwähnten Verbindungen noch sehr stark und bekannt. So hat z. B. Tante Riekchen (meine Schwiegermutter) noch nach 1870 das Weißnähen in Göttingen bei Ihrer Tante Quentin gelernt. Auch wußte sie noch mehreres derartiges aus dem Verwandtenkreis zu erzählen. Es läßt sich aber auch viel später von einem sehr interessierten Forscher bei einer Reise in die Heimat noch immer wichtiges aus den bezüglichen Familien erfahren.

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Ehepaar Klemme-Berlin Friederike Louise Charlotte Berlin
und Georg Friedrich August Klemme
  Ich will nun den für uns wichtigen Lebenslauf des jungen Ehepaares Klemme-Berlin in Hettensen in kurzen Zügen zu schildern versuchen. Ob der reiche Schwiegervater nun schon zu der Zeit den Hof in Hettensen für das junge Ehepaar gekauft hatte oder erst einge Zeit später, das wissen wir heute nicht mehr, es ist wohl anzunehmen. Wohl nach einiger Zeit wurde der junge Hofbesitzer bald Bauernvogt (Gemeindevorsteher) in der Gemeinde Hettensen. So allmählich wuchsen dann auch die in Hettensen geborenen 4 Söhne und 1 Tochter heran, die um 1845-58 geboren waren. Drei von den Söhnen tat der Vater in die begehrte Handwerkslehre, wohl weil sie der Betätigung als Landwirte keinerlei Anreiz abgewinnen konnten. Der vierte und jüngste Sohn Wilhelm wurde dagegen vom Vater als Landwirt und Hoferbe bestimmt. Der älteste Sohn Carl Klemme wurde Schmied, wurde aber nicht Schmiedemeister in Hettensen, sondern wanderte handwerkerüblich aus und kam in die Hauptstadt Hannover, wo er ansässig wurde und blieb. Der zweite Sohn Eduard Klemme lernte ebenfalls das Schmiedehandwerk und wurde später Schmiedemeister in Hettensen. Der dritte Sohn August Klemme erlernte das Tischlerhandwerk, wurde aber später, wohl infolge eines Zufalles, Vorarbeiter in dem bekannten Tagessteinbruch "in der Bramburg" bei Volpriehausen - Uslar- Solling. Infolge der bekannten bismarckschen politischen Umwälzung um 1864/66 und 67 wurden alle 4 Söhne Klemme stramme preußische Soldaten zum Bedauern seines Vaters, der nicht nur früher königlich hannöverscher Soldat (Husar) gewesen, sondern sein Leben lang ein welsischer Parteigänger und Agitator war. Als solcher wurde er mal in der Stadt Hannover verhaftet und erlebte vielleicht einen großen Tag seines Lebens, als er von seinem Parteifreunde, dem Rittergutsbesitzer in Hettensen, Herrn von Lösecke, in Hannover abgeholt und dann in dessen Equipage durch die Stadt Hannover demonstrativ gefahren wurde. Ein anderer großer Tag war wohl, als er mit abgeordnet wurde zu einer königlich hannoverschen Familienfeier (vielleicht Silberhochzeit des Königspaares) in Gmünden, wo er an dem Festessen teilnahm und mit der gesamten Festteilnehmerschaft fotografiert wurde.

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Ohne Zweifel machte die politische Betätigung dem Georg Klemme sehr viel Freude und bedeutete ihm sicher Erholung. Aber sie erforderte sicher auch Zeit, seine persönliche Arbeitskraft, wie wohl auch später die seiner Söhne, die vielfach unbeaufsichtigt blieben, gingen der in der Landwirtschaft so nötigen Arbeit verloren, so daß der Hof während schlechter Jahre wirtschaftlich nicht ganz bilanzieren konnte, dann nahm der Besitzer leihweise Judengelder auf und verpfändete dagegen seine ganze oder teilweise Ernte. War diese Handlungsweise ja schon an sich ein Unglück. So kam noch hinzu, daß ein- oder zweimal der Hof durch Feuer abbrannte, und zu damaliger Zeit die völlige Armut herbeiführte. Es ist mir zwar erinnerlich, als ob der reiche Schwiegervater beim ersten Brand den Hof wieder aufgebaut hätte, aber vielleicht lebten die Schwiegereltern beim zweiten Male nicht mehr. Jedenfalls war die Hoffbesitzerherrlichkeit für Georg Klemme und seine Söhne vorbei. Der jüngste Sohn Wilhelm Klemme, der ja als Erbe vorgesehen war, konnte nun den Hof nicht übernehmen, er wurde nach seiner Militärzeit als gewesener Offiziersbursche Leibdiener und ging dann als Hilfsarbeiter an die königliche Eisenbahn und wurde dann Eisenbahnbeamter bis an sein Lebensende, Pensionierung 1919. Georg Klemme starb zu Hettensen am 09.01.1889 und seine Frau Friederike Klemme geb. Berlin daselbst am 02.12.1883. In Hettensen blieben nur der Schmiedemeister Eduard der zweite Sohn, dessen zwei Töchter mit ihren Männern ebenfalls in Hettensen blieben, und da der älteste Sohn der Auguste Klemme, verheiratet mit Oehlmann, auch Schmied gelernt hat, ist es wahrscheinlich, daß dieser die Überlieferung seiner Väter fortsetzte.

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Der Hofbesitzer Georg Klemme war ein schlanker und lebenslustiger Mann, er war langbeinig, welche Erscheinung erst mit der Beendigung des Wachstums zum Vorschein kam und welche Eigenschaft sich lange auf seine Enkel vererbt hat. Ich nenne nur Emil Besemann und Wilhelm Witte. Die Großmutter, Frau Friederike Klemme, war klein und dick, besser gesagt: fett und hatte im zunehmenden Alter allerhand ererbte Gebrechen, so z. B. schlechte Füße (wahrscheinlich Fersenschwäche oder Senkung), vielleicht auch starke Krampfadern und Verfettung auch diese Leiden hat sie auf ihre Enkelinnen stark und lange vererbt. Ihr Gesicht hat wohl als einzige geerbt ihre Urenkelin Martha Scheuermann.

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